Lütkemüller-Orgel (1871) in der Dorfkirche Brunow (Mecklenburg-Vorpommern)
Lütkemüller-Orgel (1871) in der Dorfkirche Brunow (Mecklenburg-Vorpommern)

„Orgel des Monats Oktober 2026“ in Brunow

Dass Orgeln eines Tages wie Autos am laufenden Band hergestellt werden, ist aus vielerlei Gründen wohl nicht zu erwarten. Mitte des 19. Jahrhunderts mag solche Zukunftsmusik vielleicht noch anders geklungen haben. Der Orgelbauer Friedrich Hermann Lütkemüller im brandenburgischen Wittstock jedenfalls unternahm erstaunliche Schritte bei der Produktion von „Königinnen der Instrumente“: Er analysierte den Markt – der Bedarf an Orgeln in Dorfkirchen wuchs – und spezialisierte sich entsprechend auf Kleinorgeln mit sechs oder sieben Registern. Offenbar fertigte er seine Instrumente in Serie, stellte sie in seiner Werkstatt auf, um sie zu stimmen – von dort aus konnte er innerhalb kürzester Zeit an ihren Bestimmungsort liefern. Seine Effektivität bescherte den Abnehmern günstige Preise; gleichwohl soll die Qualität seiner Werke eine sehr hohe gewesen sein. Rund 200 Orgeln schuf Lütkemüller, allesamt „geprägt von der Klarheit barocker Herkunft und dem Feinsinn der Romantik“ (so sagt es der Orgelbauer Friedrich Dese auf der Website der Friedrich-Hermann-Lütkemüller-Gesellschaft).

Eine typische Orgel aus der Produktion des Wittstocker Geschäftsmannes steht in der Dorfkirche Brunow, einem kleinen Ort rund 50 Kilometer südlich von Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern). Das Werk an der Rückwand der Kirche ist als dunkelbrauner Quader, umkleidet mit hölzernen Kassettenwänden, relativ schlicht gehalten. Obwohl schon im Jahr 1871 erbaut, ist das Werk in seinem Bestand weitgehend original erhalten; gespielt wird es aber schon seit einigen Jahren nicht mehr: „Dauerheuler“ und „Durchstecher“ (die entstehen, die für einen Ton gedachte Luft auch andere Töne zum Klingen bringt) haben das Instrument schachmatt gesetzt. Verursacher dieses traurigen Umstands sind Risse in einer Windlade und: fleißige Holzwürmer. 

Dorfkirche Brunow

Dorfkirche Brunow

Dorfkirche Brunow

Dorfkirche Brunow

Dorfkirche Brunow

Dorfkirche Brunow

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In Brunow aber findet man sich nicht ab mit dem Schweigen der Orgel. Viele Dorfbewohner vermissen den gewohnten Orgelklang ihrer Kirche und auch die ehrenamtlichen Organisten möchten wieder Pedal und Manual bewegen, sagt Pfarrer Heiko Herrmann. Er spricht daher sicher vielen Gemeindemitgliedern aus dem Herzen, wenn er betont: „Wir haben dieses Erbe von unseren Müttern und Vätern erhalten und ich möchte dieses Erbe fortführen und meinen Kindern pfleglich eines Tages übergeben.“ Aus diesem Grund sind nun kundige Fachleute am Werk, die die Metallpfeifen der Orgel ausgebaut und in die Werkstatt nach Plau überführt haben. „Ende August war der Schädlingsbekämpfer in der Kirche, um die Orgel zu begasen und damit den Holzwurm zu entfernen“, berichtet Heiko Herrmann.

Auf traditionellem wie auf modernem Wege – im Gemeindebrief und per WhatsApp – berichten die Verantwortlichen über den Fortgang der Arbeiten; auch in Gottesdiensten und bei Konzerten wird über die Orgel informiert. Immer wieder bitten sie um Spenden für die Sanierung. Rund 22.000 Euro sind das Ziel, die Stiftung Orgelklang gibt 3.000 Euro hinzu.

Dass die Dorfkirche im kommenden Jahr wieder mit ihrem prominentesten Instrument glänzen kann, wird die Zahl der dort ohnehin regelmäßig stattfindenden Konzerte noch erhöhen. Auch in dieser Hinsicht würden sicher viele Menschen in Brunow und der Region ihrem Pfarrer zustimmen, der vorfreudig sagt: „Ich freue ich mich, wenn Instrumente erklingen - und mehr noch, wenn das zur Ehre Gottes passiert mit unserer Königin der Instrumente.“