„Orgel des Monats April 2026“ in Magdeburg-Buckau
Der Spieltisch für die Orgel schwebt durch die Kirche. Behutsam wird er per Seilzug nach oben gezogen, Zentimeter für Zentimeter, bis er an seinem Bestimmungsort auf der Empore angekommen ist. Die Freude ist groß in der Kirche St. Gertrauden in Buckau, einem Ortsteil im Südosten Magdeburgs: Mit dem neuen Spieltisch nähert sich die Sanierung der Rühlmann-Orgel ihrem Ende. Seine aufwendige Platzierung wird sogar per Instagram-Video festgehalten.
Der neue Tisch ist eigentlich gar nicht neu, er stammt aus dem Jahr 1908 und ist damit nur zwei Jahre jünger als das restliche Instrument in St. Gertrauden. Aber auch er wurde in der Rühlmann’schen Werkstatt gefertigt und passt technisch wie optisch viel besser zur Orgel als der in den 50er Jahren geradezu frevelhafterweise eingebaute Vorgänger. „Bei dem war zum Beispiel der Anschlag viel zu leicht“, weiß Pfarrer Thoralf Thiele. „Ein Freund scherzte immer, dass man aufpassen müsse, dass nicht aus Versehen die Krawatte auf die Tasten fällt.“
Das Instrument mit dem schlichten, braunen Prospekt auf der Empore in St. Gertrauden ist die größte historische Orgel Magdeburgs. Sie entstand im Jahr 1906 in der Orgelbauwerkstatt Wilhelm Rühlmann & Sohn im spätromantischen Stil und hatte ursprünglich eine großzügige Disposition. In den späten 30er Jahren entfernte man klangtragende romantische Stimmen – ein stilwidriger neobarocker Umbau, „wie es damals Mode war“, so der Pfarrer. Im Jahr 1958 folgte die Entfernung des originalen Spieltisches.

St. Gertrauden Magdeburg Buckau

St. Gertrauden Magdeburg Buckau

St. Gertrauden Magdeburg Buckau

St. Gertrauden Magdeburg Buckau

St. Gertrauden Magdeburg Buckau

St. Gertrauden Magdeburg Buckau
Nachdem in den vergangenen Jahren grundlegende Wartungsarbeiten vorgenommen und einst ausgetauschte Register durch die ursprünglichen Stimmen mit originalem Pfeifenwerk ersetzt wurden, soll die klangliche Rückführung des Instruments im Sinne Rühlmanns in diesem Jahr beendet werden. Die Arbeiten bleiben bis zuletzt anspruchsvoll. „Der neue Spieltisch ist ein bisschen größer als der alte und hat drei Töne mehr im Sopran“, sagt Thoralf Thiele und lacht. „Unter dem Motto: ‚wenn schon, denn schon‘ haben wir entschieden, die Töne auch in der Orgel zu ergänzen.“
Gut 150.000 Euro wird der diesjährige letzte Bauschritt kosten, die Arbeiten insgesamt sind mit 445.000 Euro veranschlagt. Der Pfarrer lässt sich von diesen großen Summen nicht beeindrucken „Das Kirchspiel ist nicht vermögend, aber der Erfolg hängt nicht davon ab“. Spenden bekommen die Buckauer durch Benefizkonzerte, auch der Kirchenkreis hilft. Die Stiftung Orgelklang stellt 5.000 Euro zur Verfügung.
Thoralf Thiele und vielen anderen in der Gemeinde ist die Sanierung ein Herzensanliegen. „Am Ende wird hier wieder die ganze musikalische Breite erklingen, inklusive der Klangfarben, die zwischenzeitlich verloren waren.“ Dann endlich könne man auch Organistinnen und Organisten aus anderen Regionen einladen („ohne vorab wortreich zu erklären, was geht und was nicht“). Mehr Konzerte wird es geben in St. Gertrauden, da ist Thiele sich sicher. Freuen können sich auch Orgelschülerinnen und -schüler: Der Kantor wird mehrmals pro Woche auf der Rühlmann-Orgel unterrichten.
Um alle Gemeindeglieder auf dieser letzten Etappe mitzunehmen, hat der Pfarrer die glückliche Ankunft des neuen Spieltisches gleich in seine Predigt am Ostermontag eingebaut. „Es ist wichtig, allen bewusst zu machen, was hier Wunderbares passiert.“