„Orgel des Jahres 2021“ im ostfriesischen Uttum
Die Orgel in der evangelisch-reformierten Kirche Uttum (Niedersachsen) ist eines der wenigen noch spielbaren Renaissance-Orgeln weltweit: jetzt ist sie die „Orgel des Jahres 2021“ der Stiftung Orgelklang. Von insgesamt 1.345 Voten gingen mehr als ein Drittel (499) an das denkmalgeschützte Instrument. Knapp hinter Uttum erreichte das Instrument in der evangelischen Kirche Essen-Werden mit 468 die zweitmeisten Stimmen und Platz drei ging an die Orgel in St. Marien in Weißenfels (Sachsen-Anhalt, 62 Stimmen).
„Wenn man bedenkt, dass mehr Menschen für die Orgel abgestimmt haben, als in Uttum leben, bekommt man einen Eindruck davon, wie groß die Strahlkraft dieses Instruments ist“, sagt Orgelklang-Geschäftsführerin Catharina Hasenclever. „Wir freuen uns außerordentlich, mit 3.000 Euro dazu beigetragen zu haben, dass die Orgel mit ihrem einzigartigen Klang für weitere Generationen erhalten werden konnte“.
Um 1660 ist das Instrument in Uttum entstanden; das genaue Datum ist ebenso wenig bekannt wie der oder die Erbauer. Im Unterschied zu den meisten anderen Renaissance-Orgeln ist das Werk in Uttum fast vollständig original erhalten. Auch der Klang entspricht dem von vor 360 Jahren. An der Kwassui University in Nagasaki gibt es einen originalgetreuen Nachbau, damit dortige Musikstudierende alte Musik an einem historisierenden Instrument kennenlernen können. Immer wieder kommen Organisten aus der ganzen Welt in das Dorf an der ostfriesischen Nordseeküste, um die Orgel zu spielen.
Das zweitplatzierte Instrument in Essen-Werden stammt aus der berühmten Ludwigsburger Orgelbaufirma E.F. Walcker. Ausgestattet ist das spätromantische, im Jahr 1900 geschaffene Werk mit 2492 Pfeifen, 37 Registern und einer pneumatischen Traktur. Die Stiftung Orgelklang hat die Sanierung der Orgel – eine Projektspende des örtlichen Fördervereins inklusive - mit 28.000 Euro gefördert.
Die Orgel in Weißenfels gilt als Meisterwerk des Orgelbauers Friedrich Ladegast (1818-1905). Ladegast entwarf die hochromantische Orgel 1862 bis 1864 ursprünglich als zweimanualiges Werk mit 19 Registern und erweiterte sie danach auf drei Manuale und 41 Register. Hier konnte die Stiftung Orgelklang (ebenfalls inklusive einer Projektspende) 9.000 Euro zur Verfügung stellen.